
Eine ganze wunderschöne sonnige Woche in Kroatien, tiefblaues Meer, superfeines Essen, sehr trinkbarer Hauswein, einfach perfekt. An meiner Seite meine Schwester, sowohl familiär als auch im Geiste, ewig gestresst, Powerfrau, hatte diese "Mädelswoche" genauso dringend nötig wie ich.
Der Einfachheit halber fahren wir mit ihrem Auto, es ist wesentlich größer und komfortabler als meines, genau genommen könnte ich mit meinem "Spuckerl" in ihrem Kofferraum parken, wenn es eng würde.
Da Schwesterchen in Deutschland lebt, beschließe ich, in Villach in den Zug Richtung Heimat zu steigen, damit sie gleich weiterrrauschen kann. Zugfahrplan im Internet noch brav vor der Abreise ausgedruckt, diesmal wirklich an alles gedacht, bin ganz stolz auf mich.
Ein günstiger Zug würde um 13.15 Uhr in Villach abfahren, der nächste dann2 Stunden später. Als wir uns mit traurigem Herzen vom Meer verabschieden, zeigt das alleswissende Navi als Ankunftszeit in Villach 14.00 Uhr an. Auch gut, so können wir gemütlich rauftuckeln, haben in Villach noch Zeit auf einen Kaffee und ein Abschlusstratscherl, wer weiß wann wir uns das nächste Mal wieder nur wir zwei allein treffen. Doch vom geruhsamen Fahren hält die Powerfrau an meiner Seite überhaupt nichts, klar, mit den vielen PS unterm Hintern geht es ja auch recht einfach. Aber was ist mit der Klima los? Für ein Auto dieser Kategorie - ich würde ca. 10 Stück von meinem Kisterl dafür kriegen - ist die Klima nicht besonders zuverlässig, genauer ausgedrückt, sie ist in den Streik getreten. Aber das können sich zwei taffe Frauen nicht einfach gefallen lassen, es wird gekurbelt und gedreht und gedrückt, draußen rauscht die Landschaft vorbei, es hat ca. 40 Grad aussen und mindestens so viele Gräder im Auto. Dank der stylischen Ledersitze kocht mein Hinterteil bald im eigenen Sud, die mühsam gestylte Frisur (wer weiß, im Zug könnte ja Mr. Perfect sitzen) ist im wahrsten Sinne nur noch ein Abklatsch ihrer selbst, die Augen tränen vom Schweiß, der sie unaufhaltsam überflutet. Fenster öffnen ist nicht drin, da habe ich morgen eine Migräne, die sich gewaschen hat. Und trotz oder vielleicht auch wegen dieses Saunafeelings rauscht Schwesterherz unaufhaltsam der österreichischen Grenze entgegen, ich fürchte schon, durch die Hitze hat sie ihr Gefühl für Geschwindigkeit verloren. Denn nach ca. der Hälfte der Strecke teilt das Navi mit, dass wir unser Ziel bereits um 13.30 Uhr erreichen werden. Das ist eine Aufforderung zum Kampf an die Fahrerin: "Du wirst sehen, du erwischt den Zug noch". Meine flehentlichen Bitten, darauf nicht zu achten, ich würde WIRKLICH GERNE auf den nächsten warten, werden ignoriert. Und wirklich, nach 4 wirklich beängstigenden Stunden - ich weiß mittlerweile nicht mehr, ob ich aus Angst oder wegen der Hitze so schwitze - erreichen wir den Bahnhof genau 1 Minute vor Abfahrt des Zuges, ich raus aus dem Auto, nur mehr ein Luftküsschen für meine Schwester, die Tasche und die Beine in die Hand genommen, sause ich durch den Bahnhof und erwische den Zug wirklich genau in dem Moment, in dem der Schaffner - ja die gibts noch - die Türen schließt.
Ich lasse mich in das erstbeste Abteil fallen, mir ist völlig wurscht, wohin der Zug fährt - Gott sei Dank ist es doch der Richtige - total zerzaust, zerdrückt, hecktische Flecken auf Gesicht und Dekollete, und über meinen Geruch will ich gar nicht mehr nachdenken. Gott sei Dank sitzt nicht der Märchenprinz im Abteil, sondern nur eine ältere Dame, die angesichts meiner Erscheinung die Nase rümpft und sich so weit wie möglich von mir weg setzt.
Was ich draus gelernt habe ? Genieße die wunderschönen Tage der Ruhe, du weißt nicht, wie rasch der Stress dich wieder hat, es muss nicht einmal bis zum ersten Arbeitstag dauern. Und drucke nie mehr einen Fahrplan aus, wenn du keinen hast ist es auch ganz egal, wann du ankommst, irgendein Zug fährt immer.
Trotzdem - nur fliegen war schöner!
Eure
gemini